Gedenkveranstaltung am Güterbahnhof 2011
INITIATIVE „GEDENKORT GÜTERBAHNHOF DARMSTADT“
Träger: Arbeitskreis ehemalige Synagoge Pfungstadt e.V. –Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V. - Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Darmstadt – GEW Stadtverband Darmstadt – Vereinigung der Verfolgten des Naziregime - Bund der Antifaschisten Starkenburg - einzelne Persönlichkeiten
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Gedenkveranstaltung
zur Erinnerung an die 1942/1943 aus Darmstadt deportierten
Juden und Sinti
Sonntag, 25. September 2011
Beginn: 11.00 Uhr
am Güterbahnhof Darmstadt,
Kirschenallee/Ecke Bismarckstraße
Programm:
Ø Begrüßung: Peter Schmidt, Sprecher der Initiative
Ø Grußwort: Brigitte Lindscheid für die Stadt Darmstadt
Ø Musik: Neele Amelung Saxophonsolo
Ø Monika Kanzler-Sackreuther für das Bündnis gegen Rechts
Ø Musik: Klarinettentrio Liza Keller, Carolin Rott, Vanessa Spörl
Ø Renate Dreesen zur Arbeit der Initiative: Die Jüdische Schule Massada
Ø Musik: Neele Amelung Saxophonsolo
Ø Schüler der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule: Gedichte von Alexander Haas
Ø Dr. Elisabeth Krimmel: Alexander Haas – Leben und Wirken
Ø Schüler der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule: Gedichte von Alexander Haas
Ø Musik: Klarinettentrio Liza Keller, Carolin Rott, Vanessa Spörl
www.denkzeichen-gueterbahnhof.de
Kontakt:
Renate Dreesen, Adam-Schwinn-Str. 49, 64319 Pfungstadt, 06157/84470, rdreesen@gmx.net
Peter Schmidt, Lauteschlägerstr. 19 64289 Darmstadt, Tel 06151/74543, c.p.schmidt@arcor.de
Spendenkonto des Arbeitskreises ehemalige Synagoge Pfungstadt e. V.:
Stichwort „Initiative Güterbahnhof“, Sparkasse Darmstadt, Konto 50003310 - BLZ 508 501 50
Von Gräueln und Wundern
Geschichte - Erinnerung an die aus Darmstadt deportierten Juden und Sinti am Denkzeichen Güterbahnhof – Brigitte Lindscheid verspricht der Initiative die Unterstützung der Stadt
„Am helllichten Tage wurden Frauen, Kinder, Kranke und Greise durch die Straßen getrieben“, sagt die Umweltdezernentin Brigitte Lindscheid, „von Juristen, Beamten, Polizisten aus der braunen Hochburg Hessens.“ Am Sonntagvormittag vertritt sie am Denkzeichen Güterbahnhof bei der jährlichen Gedenkveranstaltung für die deportierten Juden und Sinti aus Darmstadt den Oberbürgermeister, der auf einer Dienstreise ist. In seinem Namen verspricht sie der Initiative „Gedenkort Güterbahnhof“, dass diese auch künftig mit der Unterstützung der Stadt rechnen kann.
Denkzeichen braucht
UnterstützungDies wird wohl nötig sein, denn das Denkzeichen wurde zwischenzeitlich beschädigt. Die Künstler entschieden (auch wegen der hohen Kosten), es nicht restaurieren zu lassen, da es dem Vandalismus erfolgreich standgehalten habe. „Nun ist aber Wasser hineingelaufen“, wie der Sprecher der Initiative Peter Schmidt klagt, „jetzt muss doch etwas geschehen.“
Die Initiative „Gedenkort Güterbahnhof“ will die Erinnerung an die Deportationsstätte der Darmstädter Juden und Sinti wachhalten. Seit 1996veranstaltete sie jeweils am letzten Septembersonntag einen Marsch von der Justus-Liebig-Schule, wo die Deportierten gesammelt wurden, durch die Landwehrstraße und die Kirschenallee zum ehemaligen Güterbahnhof. Als abzusehen war, dass die Abfahrtstation demontiert wurde, entschloss sich der Verein zu einem Denkzeichen an der Kirschenallee/Ecke Bismarckstraße, das 2004 eingeweiht wurde. Seither trifft man sich hier zur Gedenkveranstaltung – und jedes Jahr kommen mehr Zuhörer.
Den musikalischen Rahmen bieten diesmal Neele Amelung am Saxofon sowie die drei Klarinettistinnen Liza Keller, Carolin Rott und Vanessa Spörl. Die vier Mädchen sind Schülerinnen von Irith Gabriely und betonen in den gewählten Stücken meisterhaft die besinnliche Atmosphäre des Ortes.
Renate Dreesen spricht über die Darmstädter Berufsschule Massada, benannt nach einer ehemaligen jüdischen Festung am Südwestende des Toten Meeres. Von 1947 an wurden am Steubenplatz, wo heute das Sozialgericht steht, zehn Monate lang 45 Überlebende des Holocaust als Handwerker für Israel ausgebildet. Darüber berichtet auch eine Ausstellung, die derzeit in der Edith-Stein-Schule zu sehen ist.
Alexander Haas war
ein echter HeinerMit Alexander Haas hat sich die Kunsthistorikerin Elisabeth Krimmel beschäftigt. Er wurde 1906 in der Ochsengasse als Sohn einer der ältesten jüdischen Familien in Darmstadt geboren. Als der Vater früh starb, übernahm er das elterliche Möbelgeschäft und heiratete die christliche LuiseBaßler. 1933 erhielt er Hausverbot im eigenen Laden. Seine Mutter starb in Theresienstadt und er selbst kam nach Buchenwald. Als er wie durch ein Wunder 1945 gesund in seine Heimatstadt zurückkam, war das elterliche Haus zerstört und Luise Haas hielt sich und ihre drei Töchter mit Näharbeiten über Wasser.
Alexander Haas war ein echter Heiner und hatte seit seiner Jugend Novellen und Gedichte geschrieben. Die Zuhörer lauschen ergriffen, als einige Schüler der Heinrich-Emmanuel-Merck-Schule während der Gedenkfeier Texte von ihm vortragen. Nach dem Krieg kümmerte er sich um den Aufbau der Jüdischen Gemeinde und war Mitbegründer der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Im Mai 1980 starb er. Er hinterließ mehr als viertausend Bücher, die den Grundbestand der nach ihm benannten Bibliothek bilden.mandQuelle: Darmstädter Echo 26.09.2011